Terzani Preis 2018

Succede ad Aleppo, das eindrückliche Bild des Bürgerkrieges in Syrien, beschrieben vom italienischen Journalisten der Zeitung La Stampa Domenico Quirico – in Italien von Laterza veröffentlicht – hat die 14. Edition des Internationalen Literaturpreises Tiziano Terzani gewonnen. Domenico Quirico wird am Samstag, dem 13. Mai im Teatro Nuovo Giovanni da Udine (um 21:00 Uhr) im Zuge eines Festaktes als Höhepunkt des Festivals vicino/lontano prämiert, das 2005 – in Kooperation mit der Familie Terzani – diesen Preis ins Leben gerufen hat.

«Jahrelang hat ein abgelenkter, träger Westen Syrien angeschaut, ohne dabei weder seine Opfer noch dessen Trümmer zu bemerken», erklärt Angela Terzani, Präsidentin der Jury. «Domenico Quirico, Kriegsreporter im Land, hat stattdessen erkannt, dass die „Alchimie seiner Worte“ es nicht mehr vermag, dieses barbarische und unbestrafte Chaos zu vermitteln. Auf den Seiten seines Buches, Succede ad Aleppo, legt er emphatische und verheerende Schilderungen beiseite, die in Kriegsromanen traditionell mit dem Bombenlärm und der Blutfarbe zu konkurrieren scheinen. Trotz seiner langen Erfahrung in den verzweifelten Randgebieten der Welt begeht der Autor in diesem Buch einen schwierigen, unerforschten Weg. Aufgrund seines ketzerischen Ansatzes angesichts des syrischen Blutbads und der öffentlichen Gleichgültigkeit wurde das Buch von der Jury mit dem Terzani Preis 2018 ausgezeichnet».

Dazu meinte Domenico Quirico: «Über Aleppo, Syrien, Kriege, Migration und Flüchtlinge zu schreiben, ist heutzutage eine Pflichtsache, um sich dem dumpfen, grausamen, unmenschlichen Stillschweigen zu widersetzen. Das habe ich von Tiziano Terzani gelernt. In den Zeitungen – solange sie existieren- in den Büchern, mit Bildern und Worten: beobachten, zuhören, sich mit der Gewalt der Welt durchtränken und einfach schreiben. Schreiben, um Vorurteile, die Täuschung, bereits alles verstanden zu haben und die Angst loszuwerden».

Am Abend des Terzani Preises wird auch Emel Mathlouthi, die zur Ikone des Arabischen Frühlings gewordene tunesische Sängerin, teilnehmen: In Udine wird die Stimme der Jasmin-Revolution erklingen. Der Terzani Preis 2018 bietet somit eine hervorragende Gelegenheit, die berühmte Künstlerin zu treffen und kennenzulernen. Ihr Lied Kelmti horra (Mein Wort ist frei) wurde zur Hymne der tunesischen Revolution und 2015 wurde Emel zur Nobel-Preis-Verleihung an die vier tunesischen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für die demokratische Wende des Landes eingesetzt hatten, als musikalischer Gast nach Oslo eingeladen. In ihrem Freiheitslied erschallt der pazifistische Geist jenes Tiziano Terzani, den wir in seinen Briefen gegen den Krieg sowie auf den Seiten vieler Schriftsteller, die in seinem Namen in Udine ausgezeichnet wurden, wiederfinden.

Domenico Quirico, Journalist und Korrespondent, hat aus den Seiten der italienischen Tageszeitung La Stampa die Geschichte Afrikas und der arabischen Welt der letzten zwanzig Jahre erzählt. Er überquerte das Mittelmeer auf einem Migrantenboot, wurde 2011 von Gaddafis Soldaten in Libyen entführt und 2013 von syrischen Dschihadisten in Geiselhaft genommen. Unter seinen vielen Büchern beziehen sich die jüngsten Schriftstücke auf seine Erfahrungen als Journalist vor Ort: mit Neri Pozza hat er Il paese del male; 152 giorni in ostaggio in Siria; Il Grande Califfato; Esodo. Storia del nuovo millennio (Finalist des Terzani-Preises 2017) und Ombre dal fondo (zusammen mit P. Piacenza) und mit dem Verlag Laterza hat er 2017 Succede ad Aleppo veröffentlicht.
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